Montag, 03 April 2017 12:52

Premiere in der Filmschauspielschule: „Fegefeuer in Ingolstadt“

Vieles überdauert die Zeiten und so zeugen Bücher, Schallplatten oder Filme heute von längst vergessenen Zeiten. Auch die Gebäude der ehemaligen Reemtsma-Tabakfabrik in Schmargendorf erzählen von einer vergangenen Epoche, in der Industrieanlagen noch mitten in der Stadt errichtet wurden. Seit zwei Jahren ist das Areal wieder für Menschen zugänglich. Und der neue Eigentümer des über Jahrzehnte vor der Öffentlichkeit abgeschotteten Quartiers, DIE WOHNKOMPANIE Berlin GmbH & Co. KG, hat durch Mieter wie der Kantine von Caterer Streckenbach oder der Filmschauspielschule Berlin neue Anziehungspunkte im Kiez geschaffen. So schließt sich der Kreis, denn weitere wichtige Zeitzeugen sind die Autoren von Theaterstücken, die ihre Eindrücke für die Nachwelt festgehalten haben. Warnend und hochaktuell zeigen nun die Schauspielstudenten bei der Premiere des 1924 von Marieluise Fleißer geschriebenen Dramas „Fegefeuer in Ingolstadt“ am 12. April 2017, wohin Ausgrenzung und religiöser Fanatismus führen können. Nach der Premiere ist das Theaterstück noch bis Juni im Blackboxx Theater in der Mecklenburgischen Straße zu sehen.

„Fegefeuer in Ingolstadt“ wird von den angehenden Theater- und Filmschauspielern Anja Lemmermann, Anna Lienhardt, Robin Pfister, Stefanie Alder, Niklas Doddo und Marvin Münstermann unter der Regie des Gründers und Leiters der Filmschauspielschule, Norbert Ghafouri, aufgeführt. Die Handlung ist in sechs Bilder unterteilt und beschreibt das Leben der Gymnasiastin Olga, die ungewollt schwanger wird und so ins gesellschaftliche und familiäre Abseits gerät. Als Außenseiterin vertraut sie sich dem ebenfalls ausgestoßenen Roelle an, der sie jedoch in ihrer Situation ausnutzt. Als dieser erfährt, dass Olga das Kind nicht bekommen will, versucht er sie zu erpressen, um Liebe und Zärtlichkeit von ihr zu erhalten. Sie hingegen flüchtet sich zu ihren Freunden und Geschwistern, die Roelle peinigen. Olga, die nach dieser Begebenheit fest entschlossen ist, sich ihrer Familie zu stellen, erfährt eine Zurückweisung und versucht, sich das Leben zu nehmen. Roelle rettet sie und gibt sich als Vater des Kindes aus. Daraufhin wird Olga endgültig aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, da ihr Kavalier bekannt ist für Tierquälerei und längst der Schule verwiesen wurde. Abseits von der Gesellschaft geraten die beiden Außenseiter in das Fegefeuer der Mitschüler, Mitbürger und Eltern und beginnen, sich gegenseitig die Schuld an ihrer Situation zu geben. Im Spannungskreis von religiösem Fanatismus, Denunziation und Mobbing erkennt Roelle seine Schuld und will Konsequenzen daraus ziehen. Norbert Ghafouri beschreibt die heutige Brisanz des Werkes: „Die gezeigten menschlichen Abgründe sind erschreckend und mahnend zugleich. Religiöser Fanatismus, die Denunziationen und das Mobbing von Andersdenkenden sind eine Warnung für uns, die nie an Aktualität verliert.“

Die Vorstellungen im Blackboxx Theater sind kostenfrei, Spenden für die Schauspieler werden gerne entgegengenommen. Eine Reservierung wird empfohlen.

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