Donnerstag, 07 Dezember 2017 11:37

Tierisches im Menschen Museum

Er ist wieder zuhause! Der Löwe Icke wurde 1992 im Zoologischen Garten Berlin geboren und lebte später im Zoo von Kaiserslautern. Nun ist das mächtige Tier zurück in der Hauptstadt – plastiniert, in spektakulärer Pose und mit einer Reihe von weiteren tierischen Artgenossen ist er eine der Attraktionen des Menschen Museums im Fernsehturm. Neben Icke können Besucher auch das Innenleben eines ausgewachsenen Yaks erkunden oder am Hunde-Plastinat einen Blick unter das Fell des besten Freundes des Menschen werfen.

Das Berliner Unikat Icke zählt mit zu den aufwendigsten Exponaten, die die KÖRPERWELTEN-Macher jemals in Szene gesetzt haben. Die Komplexität erschließt sich auf den ersten Blick: Der König der Savanne setzt zu einem gewaltigen Sprung auf eine flüchtende Oryx-Antilope an. Mehr als drei Jahre hat die Arbeit an diesem Exponat gedauert. „Über 1.600 Arbeitsstunden haben neun Mitarbeiter an dem stattlichen Löwen verbracht und 12.000 Liter Aceton sowie 2 Tonnen Silikon verarbeitet. Eine noch größere Herausforderung war dann die Stabilisierung der beiden Plastinate in dieser einzigartigen Pose“, erklärt Dr. Angelina Whalley, Kuratorin des Menschen Museums. Vom einstigen Fell des Löwen ist fast nur seine stolze Mähne geblieben. Stattdessen blicken die Besucher nun auf Ickes imposanten Körperbau und seine Muskelpakete. Die massiven Oberschenkelmuskeln machen es den Raubkatzen möglich, ihre Beute aus dem Stand heraus anzugreifen. Die Verwandtschaft mit der Hauskatze wird nicht nur bei der Sprungkraft, sondern auch an den Klauen deutlich, selbst Ähnlichkeiten zur menschlichen Hand lassen sich hier erkennen. Icke starb übrigens im beachtlichen Alter von 20 Jahre an einem Krebsleiden. „Während der Plastination konnten unsere Mitarbeiter deutlich die zahlreichen Metastasen in den inneren Organen sehen“, so Whalley.

„Vergleichende Anatomie zwischen Mensch und Tier ist ein sehr spannender Bereich in der Wissenschaft. Und überaus eindrucksvoll ist dabei die Erkenntnis, welche Meister der Anpassung an ihre Umwelt die Tiere sind“, meint Dr. Whalley. Besonders faszinierend wirken die Tier-Plastinate auch auf die jungen Besucher: „Kleine Entdecker können Tiere, die sie oft nur aus dem Zoo kennen, hier einmal hautnah erleben“, so die Kuratorin und führt angesichts des bedrohlichen Artensterbens weiter aus: „Wir können von uns Menschen nur dann respektvollen und achtsamen Umgang mit Tieren erwarten, wenn wir ein fundiertes Wissen über die Wunder und Eigenarten dieser Lebewesen haben – genau das möchten wir mit der Einbindung von Tieren in die Ausstellung vermitteln“.

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