Donnerstag, 14 September 2017 15:13

Verwaltungsgericht entscheidet: MeMu darf offen bleiben

Auch zweieinhalb Jahre nach der Eröffnung des Menschen Museums, das bislang 400.000 Besucher aus (fast) allen Ländern der Welt empfangen konnte, scheitert der Bezirk Mitte mit dem Versuch, das renommierte Museum der Körperwelten-Macher zu untersagen. Anstatt die Einladung zum Dialog anzunehmen, die die Ärztin und Kuratorin des Menschen Museums, Dr. Angelina Whalley, mehrfach ausgesprochen hat, setzt auch das neue grün-rote Bezirksamt auf ein Komplettverbot des Museums. „Das heutige Urteil des Verwaltungsgerichts ist ein deutlicher Sieg für die Wissenschaftsfreiheit und für die Selbstbestimmung der Menschen“, fasst Dr. Angelina Whalley, Kuratorin des Menschen Museums und Geschäftsführerin des Museums-Trägers, dem Institut für Plastination e. K., zusammen. Sie ergänzt: „Das Menschen Museum kann weiterhin geöffnet bleiben und das Gericht hat im Wesentlichen unsere Rechtsauffassung und das Verfahren, mit dem wir die Körperspende dokumentieren, bestätigt.“ Das Gericht bescheinigte dem Heidelberger Institut für Plastination, der Trägerin der Ausstellung, die Vorgaben des Oberverwaltungsgerichts weitgehend umgesetzt zu haben. Lediglich hinsichtlich zehn älterer Ganzkörperplastinate war das Gericht der Auffassung, dass das Bezirksamt deren Ausstellung hätte verbieten dürfen. Aber auch hier liegen die erforderlichen Einwilligungserklärungen vor. Ob die zehn Exponate in der Ausstellung verbleiben können oder ausgetauscht werden müssen, wird daher das Oberverwaltungsgericht zu entscheiden haben. Der kaufmännische Leiter des Instituts Rurik von Hagens dazu: „Sollte das Oberverwaltungsgericht die fraglichen Plastinate beanstanden, weil im Einzelfall eine 1:1 Zuordnung der Körperspender zu bestimmten Exponaten nicht möglich ist, werden wir diese selbstverständlich ersetzen.“

Im Nachgang des Urteils des Oberverwaltungsgerichts Berlin-Brandenburg vom 10.12.2015 hatte der Betreiber von einer GmbH zum Institut für Plastination e.K., das von Dr. Gunther von Hagens gegründet wurde und heute von Dr. Angelina Whalley geführt wird, gewechselt. Zudem wurden sämtliche, rund 120 anonymisierte Teilkörperplastinate ausgewechselt und durch Plastinate, die eindeutig Körperspendern zugeordnet werden können, ausgetauscht. Von den 13 Ganzkörperplastinaten, die im Menschen Museum ausgestellt wurden, sind bereits drei gegen vollkommen neu hergestellte Exponate ausgetauscht worden, für die eine klare Zuordnung vorliegt. Rurik von Hagens: „In wesentlichen Punkten ist das Verwaltungsgericht unserer Auffassung gefolgt, dass das Institut für Plastination e. K. natürlich Plastinate ohne Sondergenehmigung in einer (populär-) wissenschaftlichen Ausstellung zeigen darf.“

Scharfe Kritik übte Dr. Whalley am Bezirksamt Mitte: „Wer ein Totalverbot fordert, der kann keinen Respekt vor den Menschen haben, die ihren Körper für diese wissenschaftliche Ausstellung gespendet haben und spricht den Besuchern ihre freie Urteilsfähigkeit ab.“ Die Kuratorin und Ärztin ergänzt: „Wir appellieren dringend an das Bezirksamt, nun endlich einen ehrlichen Dialog mit uns zu suchen und keine Steuergelder mehr zu verschwenden. Wir erfüllen – wie auch vorher – natürlich die geforderten Kriterien des Gerichts, etwa nach der klaren Zuordnung der Plastinate zu den Einwilligungen der Körperspender. Um nicht immer wieder über die Exponate streiten zu müssen, muss auch der Bezirk endlich die Rechtsprechung akzeptieren und auf der Grundlage der Urteile handeln und nicht auf Grundlage einer wie auch immer gearteten Moralvorstellung.“

Für die Betreiber ist das vom Bezirk ausgesprochene und nun vor dem Verwaltungsgericht in weiten Teilen aufgehobene Verbot auch deshalb so unverständlich, weil es in krassem Widerspruch zur weltweiten Akzeptanz der KÖRPERWELTEN Ausstellung steht. Sie war in den letzten zehn Jahren geschätzter Gast in den renommiertesten Wissenschafts-Museen der Welt (z.B. im Franklin Institute in Philadelphia, Museum of Science and Industry in Chicago, Museum of Science in Boston, Ontario Science Center in Toronto, Naturhistorisches Museum in Wien, Mada Tech in Haifa u.v.m.) und wurde in einigen Ländern sogar von Wissenschafts- und Bildungsministerien offiziell unterstützt. Zudem wurde die Ausstellung vielfach für ihren pädagogischen Wert ausgezeichnet; 2013 würdigte z.B. der internationale Dachverband der Science Museen, die Association of Science & Technology Centers (ASTC; http://www.astc.org/), Gunther von Hagens für seinen wertvollen Beitrag zur öffentlichen Wissenschaftspädagogik.

Vielmehr als die Kritik der Ausstellungsgegner bewegen und bestärken die überaus positiven Reaktionen von über 43 Millionen Menschen, die weltweit eine der KÖRPERWELTEN Ausstellungen oder das Menschen Museum besucht haben, Dr. Angelina Whalley und ihr Team: „Als Ärzte und Anatomen ist es uns ein ernsthaftes Anliegen, mit unseren Ausstellungen anatomisches Wissen zu vermitteln. Darüber hinaus möchten wir einen Beitrag zur Intensivierung des bewussten Lebens leisten, nämlich den Sinn für die eigene Gesundheit stärken, die Möglichkeiten und Grenzen des Körpers aufzeigen und zur Beschäftigung mit der Frage nach der Bedeutung des Menschen anregen“, sagt KÖRPERWELTEN-Erfinder Dr. Gunter von Hagens.

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