Donnerstag, 14 Mai 2020 13:52

Stadtverordnete machen Weg frei für Heilstätten-Quartier

In reduzierter Besetzung haben gestern Abend die Beelitzer Stadtverordneten dem Bebauungsplan für das Wohnquartier Beelitz-Heilstätten zugestimmt. Grund hierfür war aber nicht die Corona-Pandemie, sondern die Notwendigkeit, dass alle Stadtverordneten, die selbst oder deren Angehörige mit der Sanierung der Beelitz-Heilstätten befasst sind, nicht an der Abstimmung teilnehmen durften, da sie befangen sein könnten. „Die KW-Development beschäftigt für ihre Projekte ganz überwiegend lokale Firmen und Personen aus der Region, um die regionale Wirtschaft und die lokale Verbundenheit zu stärken und Wege kurz zu halten. Stadtverordnete, die bei Fachunternehmen schon an den Sanierungen mitwirken oder deren Verwandte dies tun, durften gestern in der Stadtverordnetenversammlung (SVV) daher nicht mitstimmen. Dennoch war die Zustimmung überwältigend und wir setzen alles daran, dass sich die Beelitz-Heilstätten genau so entwickeln, wie sich das die Beelitzerinnen und Beelitzer wünschen“, sagt Jana Wulf, Projektmanagerin bei der KW-Development. Der Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan „Wohnquartier Beelitz-Heilstätten – Teilbereich 1“ ist ein wichtiger Meilenstein für die Revitalisierung der Denkmale und die geplante Quartiersentwicklung direkt am Bahnhof, sind sich Bernhard Knuth, Bürgermeister der Stadt Beelitz, und Jan Kretzschmar, Geschäftsführer der KW-Development, einig. „Die Abstimmungen mit der Stadt Beelitz war während des gesamtes Planungsprozesses absolut partnerschaftlich. Nun freuen wir uns, dass wir diese Pläne zeitnah in die Tat umsetzen können“, so Kretzschmar über die enge Zusammenarbeit.

Bei der Sitzung der SVV am Dienstagabend ging es bei insgesamt sieben von 17 Tagesordnungs-punkten um die Sanierung und Bebauung der Beelitz-Heilstätten. Nach dem Abwägungs- und Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan „Wohnquartier Beelitz-Heilstätten – Teilbereich 1“ hat nun der Landkreis drei Monate Zeit, die Pläne der Stadt zu überprüfen und zu bestätigen. Jetzt hoffen der Grundstücksinhaber und der von ihm beauftrage Entwickler und Bauträger, die KW-Development, auf die zügige Erteilung der bereits beantragten Baugenehmigungen, um neben der Sanierung der verfallenden Baudenkmäler im sogenannten Quadranten C nun auch die geplanten Neubauten angehen zu können. Auf Grundlage des neuen Bebauungsplans soll in verschiedenen Bauabschnitten ein komplettes Quartier mit etwa 250 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern und rund 400 Einfamilien-, Reihen- und Doppelhäuser errichtet werden. Der Baustart ist in diesem Herbst vorgesehen, ebenso wie der Vertriebsstart für die ersten Häuser und Wohnungen. Besonders schnell soll es nach dem Willen von Jan Kretzschmar mit dem neuen Ortszentrum gehen: Die Kita mit 100 Plätzen soll noch in diesem Sommer Baustart feiern und 2021 den Betrieb aufnehmen, dann folgt ab Sommer 2021 der Neubau einer Grundschule. Auch ein Ärztehaus, ein Café und einen Supermarkt möchte der Potsdamer Immobilienentwickler noch vor dem Erstbezug der Wohnungen und Häuser eröffnen, eine Einrichtung für Pflege und betreutes Wohnen folgt etwas später.

Im Vorfeld der Abstimmung hatte Bürgermeister Bernhard Knuth noch einmal leidenschaftlich für das Projekt geworben. „Es ist ein absoluter Gewinn und eine riesige Chance für die gesamte Stadt Beelitz. Wir haben hier einen Investor an unserer Seite, der dem Standort Beelitz-Heilstätten nicht nur eine Zukunft gibt, sondern dabei auch das erhält, was ihn ausmacht. Schon in den vergangenen Jahren hat die KWD mit der Sanierung und dem Umbau der ehemaligen Küchengebäude im D-Quadranten zu Wohnzwecken gezeigt, welch hervorragende Arbeit sie leistet. Ich bin froh, dass wir nun die Grundlage geschaffen haben, auf der die bereits eingesetzte positive Entwicklung nun weiter beflügelt wird“, so der Bürgermeister in Anbetracht der Beschlüsse.

Auch der Bebauungsplan „Wohnquartier Beelitz-Heilstätten – Teilbereich 2“ ist schon auf den Weg gebracht und wird das Vorhabengebiet nach Osten hin erweitern. Geplant sind hier weitere 250 Wohnungen und etwa 400 Häuser, die sich in die grüne Umgebung einfügen werden. „Wie von Anfang an geplant werden wir im östlichen Grundstücksteil einen naturnahen See bauen, der zum Verweilen einladen wird und die ohnehin schon hohe Aufenthaltsqualität im neuen Waldquartier abrundet“, führt Kretzschmar aus. Rund 500 Mio. Euro investiert er insgesamt in das neue Stadtquartier. Sobald es die Corona-Situation zulässt, soll zudem ein Kulturprogramm in den Beelitz-Heilstätten starten und auch die Teilnahme an der LAGA wäre, wenn es keine weiteren Überraschungen mit den Genehmigungen gibt, zu halten. Erste Sanierungen und Sicherungen der denkmalgeschützten Bauten laufen bereits, damit die wertvollen Gebäude nicht zusammenstürzen.

Geschichte der Beelitz-Heilstätten:

Der Start für die Entwicklung des großflächigen Krankenhauskomplexes datiert aus dem Jahr 1898. Bereits nach Ende der ersten von insgesamt drei Bauphasen entsteht 1902 das größte Lungensanatorium der Welt: die Beelitz-Heilstätten. Als Prestigeobjekt der Landesversicherungsanstalt Berlin wurde das Sanatorium auf einem Areal von knapp 200 Hektar seinerzeit mit der neuesten Technik ausgestattet. So wurde das Sanatorium schon damals durch ein Blockheizkraftwerk mit Heizung und Warmwasser sowie Elektrizität versorgt. Darüber hinaus verfügten die Beelitz-Heilstätten, die für Lieferungen auf Elektrofahrzeuge setzten, über eine eigene Bäckerei, Fleischerei, ein Bade-, Kessel- und Maschinenhaus, Werkstatt, Desinfektionsanstalt, Pferdestall und Feuerwehrdepot. Auch in architektonischer Sicht zeigte man sich hochmodern: Die markanten Backsteingebäude weisen Elemente der zeitgenössischen Baustile Reformarchitektur, Landhausstil, Expressionismus und Bauhaus auf, die heute wieder modern sind.

Besonders zeitgemäß war die strikte Trennung sowohl nach Ansteckungsrisiko als auch nach Geschlecht der Patienten: Die Bahngleise und die Landstraße teilen die Heilstätten daher bis heute in vier Quadranten: Nördlich der Eisenbahnlinie wurden die hochinfektiösen Tuberkulose-Erkrankten untergebracht, südlich davon behandelten die Ärzte all jene ohne Ansteckungsgefahr. Westlich der Landstraße hingegen lagen die Heilstätten und Sanatorien für Frauen, im Osten befanden sich die Anlagen der Männer. Diese klare Einteilung galt auch für die Errichtung der Wirtschaftsgebäude. Alle Gebäude sind strikt in Nord-Süd-Ausrichtung gebaut, sodass die großen Liegebalkone für die Frischluftkuren der Patienten den ganzen Tag Sonne hatten. Davon profitieren noch heute die Bewohner im Refugium Beelitz. „Mit ihren damaligen Strukturen war die Heilanstalt in Beelitz eine der modernsten Anlagen weltweit.“, so Kretzschmar. Diesen Anspruch lässt der Projektentwickler auch heute gelten: Aus den Heilstätten soll nämlich keine Schlafstadt werden, sondern ein lebenswertes und ökologisch vorbildhaftes Quartier – mit dem Charme eines historischen Denkmals inmitten des märkischen Waldes mit direkter Anbindung an Berlin und Potsdam.

Über die KW-Development:

Die KW-Development GmbH wurde 2012 vom Immobilien-Experten Jan Kretzschmar gegründet. Das Unternehmen hat sich auf die Entwicklung ganzer Stadtquartiere spezialisiert und beherrscht auch die Sanierung von Altbauten und Denkmalen. Außerdem übernimmt die KW-D als Bauträger und Projektentwickler die komplette Planung und Ausführung der Bauvorhaben in Eigenregie. Seit Gründung hat KW-Development in Berlin und Potsdam rund 2.000 Wohneinheiten mit insgesamt ca. 150.000 Quadratmetern Wohnfläche und einem Investitions-volumen von 400 Millionen Euro entwickelt. Um die teils quartiersgroßen Projekte zu lebenswerten Orten zu entwickeln, legt der Unternehmer zudem viel Wert auf die richtige Mischung aus Gewerbe, Bildung, Sozialem und Wohnen in Miete und Eigentum. Auch der Neubau von Schulen, Seniorenresidenzen, privaten Hochschulen, Gründerzentren und Coworking-Spaces sowie Kindertagesstätten gehört zum Leistungsspektrum der KW-Development, für die soziale Verantwortung ein wichtiges unternehmerisches Credo ist. In Beelitz-Heilstätten hat das Unternehmen mit dem Projekt „Refugium Beelitz“ bereits mehrere Denkmalgebäude für Miet- und Eigentumswohnungen saniert und ausgebaut.

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